Büchlberger Granit
 

 


Der Stein wurde im Steinbruch abgebaut und weiterverarbeitet.

 

 

Es muss ein schöner Anblick gewesen sein, wenn vor 150 Jahren ein Besucher Büchlberg von Süden erreichte. Der imposante Berg war bis zum Fuße dicht bewaldet. Noch heute heißt der Wald am Hügel das "Bergholz".
Vor dem Büchel, der mit Buchen bewachsen war, lud die Wallfahrtskirche zum Gebet ein. Die wenigen Häuser und Höfe der Ortschaft standen an der schmalen Verbindungsstraße Hutthurm - Hauzenberg. An der höchsten Stelle des Berges trat der Granit offen zutage. Schon damals wurde er abgebaut.
Noch heute zeugen davon Torbögen und Türeinfassungen mit Jahreszahlen. Brunnkräne und Wassertröge vor den Bauernhäusern erinnern an die alte Zeit und in manchem Keller steht noch heute ein steinerner Sauerkrautbottich, der einst in keinem Hause fehlen durfte.
Ein Marterl mit der Jahreszahl 1867 auf dem Sockel ließ bis vor wenigen Jahren noch eine Bildtafel erkennen, die einen Verunglückten inmitten von Granitblöcken auf dem Berggipfel umgeben von Bäumen zeigte, und darüber in den Wolken schwebend die Büchlberger Gnadenmutter "Maria mit dem geneigten Haupte". Der 1867 bei der Gewinnung des Granits tödlich verunglückte Steinhauer hieß Bergmann. Bis in unsere Zeit ist das "Haus zum Bergmann" in Erinnerung.
Der älteste Steinbruch auf dem Gelände des Bergholzes ist der "Ruhrlbruch". Südlich des Berges lag der "Sicklinger-Bruch" und nördlich davon der "Eiblbruch". Noch um die Jahrhundertwende haben in den Brüchen zeitweilig über dreißig Mann gearbeitet.
Auf der Bergkuppe soll nach der Jahrhundertmitte der Brauerei- und Schloßbesitzer Fein aus Fürsteneck mit H. Penzenstadler, einem reichen Bauern und Getreidehändler aus Büchlberg, einen Bruch in Betrieb genommen haben. Dieser Steinbruch wurde später von den Gebrüdern Kerber aus Kittlmühle samt der Landwirtschaft käuflich erworben. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg hat die Firma Kerber die restlichen Steinbrüche aufgekauft und stillgelegt.

 


Heute ist der Steinbruch ein idylisches Naturparadies

Die ersten Steinmetze kamen aus der Gegend von Hauzenberg nach Büchlberg. Sie machten sich im Ort ansässig und gingen "in den Berg". Dank der Geschäftstüchtigkeit der Besitzer Karl und Johann Kerber nahm der Betrieb einen raschen Aufschwung. Schon um die Jahrhundertwende waren über hundert Brecher, Hilfsarbeiter, Steinmetze und Schmiede im Bruch beschäftigt, dazu eine große Zahl von Lehrlingen. In jenen Jahren wurde aus betriebseigenem Werkstoff das Verwaltungsgebäude am Steinbruch und die Kerber-Villa im Ort erbaut.

Das älteste Gebäude im Steinbruch war die Schmiede. Östlich der Schmiede stand 1906 eine Anlage zur Herstellung von Kleinpflastersteinen. Die Spalthämmer wurden damals von einer Dampfmaschine angetrieben. Granitfundamente am rechten Abhang erinnern noch an jene Anlage. Der Steinbruch lag früher viel höher auf dem Berg. Das gewonnene Material wurde vom Berg herab mit Loren in die große Werkstatt gefahren. Sie war an das Bürogebäude angebaut.
Sämtliche Steinmetze - oft über hundert an der Zahl - waren hier beschäftigt. Der Klang von Hammer und Meißel drang weit ins Land. Pferde zogen die leeren Rollwägen wieder in den Bruch hinauf.
Mit Pferdefuhrwerken wurden die Fertigstücke nach Kalteneck zur Verladung auf die Eisenbahn befördert. Ein Sattler war ständig beschäftigt, um das Zuggeschirr für die zehn Gespanne in Ordnung zu halten. Zwei Zimmerleute fertigten die Kisten und Verschläge für den Versand der Werkstücke. Damals musste alles sorgfältig verpackt sein, weil die Feinarbeiten und Profile nicht beschädigt werden durften. Das Futter für die Zugpferde lieferte die große Landwirtschaft.
Die Werkstätte zur Ausbildung der rund fünfzig Lehrlinge soll sich westlich des Betriebes, etwa beim Hochbehälter der Wasserversorgungsanlage am Bergholz, befunden haben. Bereits 1895 hat die Firma Kerber für die Lehrlinge eine Steinhauer-Fachschule errichtet. Die Lehrlinge erhielten Unterricht in Gesteinskunde, Modellieren, Architektur und Technischem Zeichnen. Noch heute sind Werkzeichnungen aus jener Zeit vorhanden.
Während Kommerzienrat Johann Kerber viel auf Reisen war und für große Aufträge sorgte, zeichnete Kommerzienrat Karl Kerber für den Betrieb, für den Versand und für die große Landwirtschaft verantwortlich. Aufträge für Steinmetzarbeiten gingen aus allen Teilen von Deutschland ein. Auch nach Holland, Belgien, Frankreich, England und Übersee wurden Werkstücke geliefert.
Ein riesiges Denkmal in Dreiecksform sollte sogar nach Südamerika geliefert werden. Auf der Rampe am Bergholz wurde es seinerzeit aufgestellt, um die Werkstücke und Teile genau zu prüfen und zu numerieren. Das Denkmal zeigte drei allegorische Figuren von vier Meter Höhe und in der Mitte eine Steinsäule mit drei zusammengewachsenen Palmen. Die verpackten Einzelteile wurden zur Eisenbahn gebracht und in Aschaffenburg auf ein Schiff verladen. Auf Main und Rhein ging der Transport nach Rotterdam. Dort wurde das Denkmal zur Fahrt über den Ozean verladen. Zwei Steinmetze sollten mitfahren, um die Aufstellung zu überwachen. Weil aber die Reisepapiere nicht rechtzeitig ausgestellt waren, fuhr der Frachtdampfer ohne sie ab. In einem schweren Sturm sank das Schiff.
Bauten wie das Reichsbankgebäude in Königsberg/Ostpreußen, das Kaufhaus Wertheim in Berlin, der Hauptbahnhof in Nürnberg, die Wendeltreppe im Germanischen Museum in Nürnberg, die Walhalla bei Regensburg, die Befreiungshalle bei Kelheim, Brücken in Rotterdam, Amsterdam und Antwerpen sollen mit Büchlberger Granit gebaut worden sein. Bei der Einweihung des Reichbankgebäudes in Königsberg soll Kaiser Wilhelm H. sich lobend über die fein geschliffenen Säulen geäußert haben. Weil die Firma Kerber überall besten Ruf genoss, bekamen die Steinmetzgesellen auf das Wort hin, in Büchlberg gearbeitet zu haben, überall Anstellung. Durch die vielen Arbeiten sammelten sich rund um den Bruch riesige Abfallhalden an. Diese Halden veränderten im Laufe der Jahre die Form und die Gestalt des Bergkegels. Durch Bepflanzung und durch die natürliche Bewachsung ist der Abraum des Steinbruches heute kaum mehr zu erkennen.
Zum Abtransport bruchrauher Steine wurde 1911 von Büchlberg nach Fischhaus eine Drahtseilbahn gebaut. Schon 1910 hatte die Firma Kerber zum Betrieb dieser Seilbahn ein Elektrizitätswerk errichtet. Bis in die zwanziger Jahre wurden täglich etwa zehn Eisenbahnwaggons mit Bruchsteinen und Pflastersteinen in Fischhaus verladen. Auf Betreiben der Firma wurde 1910 in Büchlberg im Anwesen Kerber eine Kgl. Bayerische Postagentur errichtet. Der wirtschaftliche, aber auch der kulturelle Aufstieg des Pfarrortes Büchlberg in der Gemeinde Leoprechting nahm seinen Anfang. 1915 starb Kommerzienrat Johann Kerber. Nun führte Kommerzienrat Karl Kerber den Betrieb allein weiter, bis 1919 sein Sohn Carl Kerber vom Militär und von der Ausbildung an der Technischen Hochschule in München zurückkehrte und ihn bei der Leitung des Betriebes unterstützte.
Nach dem Ersten Weltkrieg mussten große Mengen Pflastersteine zur Reparationszahlung an Frankreich geliefert werden. Eine weitere Werkstatt für Maschinenpflaster war notwendig. Beim Bau des Kachlet-Kraftwerkes wurden so viele Werksteine aus dem Bruch herausgebrochen, dass die Steinhauer befürchteten, der Felsvorrat ginge vorzeitig zu Ende. Die Jahre vor 1933 waren wie überall in Deutschland von Krisen und Arbeitslosigkeit überschattet. Erst 1934 gab es neue Großaufträge für Staatsbauten. Werksteine wurden jetzt zum Bau des Chemiewerkes Bayer in Leverkusen geliefert und Großaufträge gingen nach Nürnberg.
1939 starb Kommerzienrat Kerber. Als alleiniger Leiter war jetzt Carl Kerber für die Belegschaft von über 650 Arbeiter verantwortlich. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren in Büchlberg 200 Arbeiter und Angestellte tätig, in den Betrieben Matzersdorf, Höhenberg und Eberhardsreut weitere 450. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab der Betrieb vielen Familien Arbeit und Verdienst.
1961 starb Carl Kerber. Der Betrieb wurde noch einige Zeit weitergeführt und musste später aufgegeben werden. Die Gemeinde erwarb die Kerber-Villa, die heute als Rathaus genutzt wird. Zur Förderung des Fremdenverkehrs wurde 1975 im Bergholz ein Trimm-Dich-Pfad angelegt.