Große Leidenschaft

Heinrich Rössel entwirft maßstabsgetreue Modelle

Große Leidenschaft
für kleine Maschinen

Akkurat und bis ins kleinste Detail absolut präzise gefertigt sind seine kunstvollen Produkte, die in tausenden von Arbeitsstunden entstanden sind und allesamt auch funktionieren. Stolz zeigt Heinrich Rössel millimetergroße Ventile, die unter Dampf einwandfrei arbeiten.

Dampfmaschinen und Motoren,

,komplizierte technische Apparaturen und Konstruktionen - derlei Dinge lassen das Herz von Heinrich Rössel seit jeher höher schlagen. Kein Wunder also, dass er sich als Konstrukteur in der Metallbranche auch beruflich technischen Dingen widmete. Auch in der Rente bleibt der heute 86- Jährige seinem Metier treu: Der Wahl-Büchlberger widmet sich mit Begeisterung seinem großen Hobby, dem Modellbau. „Ich habe mein Leben lang konstruiert und das hat mich auch im Rentenalter nicht mehr losgelassen“, erzählt der rüstige Senior, den es vor 20 Jahren nach Büchlberg verschlagen hat. Geboren wurde er einst in Tetschen, dem heutigen Decin, im Sudetenland, nur zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Nach dem Krieg wurde er mit seiner Familie aus dem Sudetenland vertrieben und landete im weit entfernten Leverkusen. Dort, im südlichen Nordrhein- Westfalen, lebte und arbeitete er fast 40 Jahre lang: Bei der Firma Wuppermann war Heinrich Rössel als Konstrukteur von Betriebsmitteln für die Fertigung im Metallbau tätig. „2000 Mitarbeiter hatte der Betrieb, der vorwiegend Teleskoprohre für Autokräne herstellte und den es leider heute nicht mehr gibt“, erzählt der 86-Jährige, den es in der Rente in eine Gegend zog, die nach seiner Meinung am meisten seiner Heimat Nordböhmen ähnelt.

Maßstabsgetreue Millimeterarbeit

Hier, im Altersruhesitz in Büchlberg, wandelt er weiter auf seinen beruflichen Spuren: Im Obergeschoss seines Einfamilienhauses hat er sich ein Konstruktionsbüro eingerichtet, direkt über dem Flur geht es in die Werkstatt. Eine Drehbank, diverse Schleif- und Fräsmaschinen und eine professionelle Werkbank erlauben ihm fast alle Arbeiten. Dass es dort so sauber ist, dass man auf dem Boden essen könnte, spiegelt die Lebensphilosophie des Rentners wider. Akkurat und bis ins kleinste Detail absolut präzise gefertigt sind seine kunstvollen Produkte, die in tausenden von Arbeitsstunden entstanden sind und allesamt auch funktionieren. Stolz zeigt Heinrich Rössel millimetergroße Ventile, die unter Dampf einwandfrei arbeiten. „Die Arbeit mit wirklichem Dampf wäre etwas zu aufwendig, so behelfe ich mir mit Druckluft“, erzählt er schmunzelnd. Ob Drehzahl erhöhen oder senken, ob originalgetreue Motorgeräusche - an alles hat der Konstrukteur gedacht. Immer mehr Modelle holt Heinrich Rössel hervor aus der Vitrine und führt sie vor. Dabei gerät er ins Schwärmen. Er erzählt von der industriellen Revolution im ausgehenden 19. Jahrhundert, von der Erfindung der Dampfmaschine. „Ohne die würden wir wohl heute so nicht leben“, spekuliert er und erwähnt, dass viele der großen Erfinder keine Fachleute gewesen seien. 

So habe der schottische Pfarrer Robert Stirling die Heißluftmaschine erfunden, Nicolaus August Otto, der Handlungsreisender in Sachen Tüchern war, den Ottomotor. Auch Michael Faraday hatte nie eine Formel gekannt und James Watt nicht einmal eine Lehre abgeschlossen. „Mich fasziniert einfach Technik, die man anfassen und sehen kann“, schwärmt Heinrich Rössel weiter. Diese habe Geschichte geschrieben. Freilich seien manche Erfindungen unwirtschaftlich gewesen und Große Leidenschaft für kleine Maschinen wieder verschwunden. Behauptet habe sich der Dieselmotor, obwohl sein Erfinder Rudolf Diesel nach zwei Fehlversuchen, bei denen die Motoren nicht liefen, fast verzweifelte und erst mit dem dritten den Durchbruch schaffte. Auch den habe er nachgebaut und der zähle zu seinen Schmuckstücken. Es sei sehr schwierig gewesen, Unterlagen für den Nachbau zu bekommen, erzählt Rössel weiter. „Ich bin mit dem Fotoapparat und dem Meterstab in die Museen gegangen“, erzählt der Konstrukteur. Dann ging es zu Hause an die Umsetzung. Der Dieselmotor habe weit über 1000 Arbeitsstunden gekostet, die übrigen an die tausend oder zumindest einige hundert Stunden. „Tagelang habe ich bei der Bootsdampfmaschine herumgebastelt, um ihr auch ,eine Stimme‘ zu geben“, schildert Rössel die Probleme. Heute hört man sogar deren Auspuffgeräusche. Hitze erzeugt Rössel, dort wo sie für den Betrieb der Maschine notwendig ist, mit einem einfachen Teelicht. So funktioniert auch die Heißluftmaschine, bei der die Luft abwechselnd erhitzt und dann wieder abgekühlt wird, was den Motor letztlich antreibt. Eine Ventildampfmaschine, eine Einzylinder-Betriebsdampfmaschine mit automatischer Schmierung, ein elektrisch betriebener Deutz-D2- Heinrich Rössel entwirft maßstabsgetreue, funktionierende Modelle von historischen Kraftmaschinen Motor aus dem Jahre 1895 und eine Reihe anderer Modelle hütet Rössel wie seinen Augapfel. In der Vitrine steht zudem eine originalgetreue Nachbildung des „Adler“, der ersten Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth. „Das ist das einzige Modell, das nicht selbst fährt“, erklärt der Bastler, dessen zweites Hobby die Malerei ist.

Wertvolle Wunderwerke

Auf die Frage, was so ein technisches Wunderwerk wert sei und ob er etwa auch welche verkaufe, schmunzelt Rössel und antwortet eher indirekt. „Da hätte ich wohl nur einen Stundenlohn von ein paar Cent“, meint er dann nachdenklich. Würde er nämlich den Stundenlohn eines Technikers ansetzen, würden sich die Verkaufspreise bei den größeren Maschinen weit jenseits von 10 000 Euro bewegen. Freilich, so ein Wunderwerk aus der Zeit der technischen Revolution würde sich in einer Vitrine oder im Glaskasten auf dem Schreibtisch schon gut machen. Rössel verkneift sich eine Antwort, aus seiner Miene ist aber zu erkennen, dass er bei einem echten Liebhaber wohl nicht „Nein“ sagen würde.

Dieser Pressebericht wurde von der PNP-Redaktion zur Verfügung gestellt. 
Wir bedanken uns für diese freundliche Unterstützung.