Heilig-Kreuz-Schwestern in Büchlberg
 


Haus St. Josef anno dazumal

In der "Ewigen Anbetung", der Zeitschrift des Provinz- und Missionshauses "Heilig Kreuz" in Altötting im Heft Nr. 1/1988 beginnt ein Bericht: "Am südlichen Rand des Bayerischen Waldes, 15 km nördlich von Passau - am Goldenen Steig, dem ehemaligen Handelsweg nach Böhmen - liegt der Staatlich anerkannte Erholungsort Büchlberg. Ein Kilometer außerhalb des Ortskerns steht das Kinderheim St. Josef, umgeben von Wald, mit einem Ausblick auf eine herrliche Mittelgebirgslandschaft, die mit ihren endlosen Wäldern sich zu einer gewaltigen Kulisse entwickelt". 

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg bekam die Provinzleitung der "Lehrschwestern vom Hl. Kreuz" in Altötting eine Papstspende zur Errichtung einer Kinderanstalt. Dem Orden wurden einige Objekte angeboten, darunter auch das "Herrenhaus" der Familie Pangerl in Büchlberg. Die Provinzoberin, Mutter Tharsilla, kam am 16. Dezember 1921 nach Büchlberg. Ihr gefiel das "Herrenhaus" so gut, dass sie es mitsamt den dazu gehörigen 23 Tagwerk Grund für den Orden erwarb. Aber erst am 10. Dezember 1924 konnte das Anwesen endgültig in Besitz genommen werden.
Am 16. Dezember 1924 zogen Theresia Unterreitmeier und Philomena Strohmeier als erste Schwestern in Büchlberg ein. Die neue Ordensniederlassung sollte ein Kinderheim kleinen Stils werden, und es sollte auch die erholungsbedürftigen Schwestern der Provinz aufnehmen. Zuerst musste das Gebäude instandgesetzt werden. Die Arbeiten führte Baumeister Heinrich Rothammer, Thyrnau, aus. Im Dezember 1925 war der Rohbau fertig, und Bischof Sigismund Felix von Passau konnte im Oktober 1926 die Hauskapelle im neuen St.-Josefs-Heim einweihen.
Wohl ein Dutzend Schwestern, die in Büchlberg gewirkt haben, zogen in die Mission. Schon 1928 verließ Philomena Strohmeier als Chilemissionarin den Ort. Dir folgte 1929 die erste Oberin von Büchlberg, Theresia Unterreitmeier, in die Mission nach Südafrika. Zur neuen Oberin wurde Evangelina Fertl berufen. Während ihres Wirkens verließ Pfarrer Karl Birkeneder Büchlberg. Sein Nachfolger, Pfarrer Franz Seraph Sigl, verstarb wenige Monate später, und es folgte 1933 Josef Raster als Pfarrer von Büchlberg. Im gleichen Jahr wurde Emanuela Fink Oberin im St.-Josefs-Heim.
1934 wurde das Rückgebäude umgebaut, denn in den so geschaffenen Räumen sollte für die Mädchen und Frauen der Umgebung Nähunterricht erteilt werden. Im gleichen Jahr wurde einer Krankenschwester des Ordens die ambulanten Krankenpflege in der Pfarrei übertragen. Eine Abordnung von Schwestern durfte 1938 an der goldenen Jubelprofess der Provinzialoberin Mutter Tharsilla teilnehmen. Im Kreszentiaheim in Altötting hielt Pfarrer Josef Raster die Festpredigt.
Mutter Tharsilla starb Ende 1938. Sie gab ihren Schwestern die Mahnung mit, in schwerer Zeit treu zusammenzuhalten, aus dem Glauben zu leben und viel zu beten. 1939 weilten Bischof Simon Konrad von Passau und die neue Provinzialoberin Mutter Hertha in Büchlberg. Oberin Emanuela Fink erhielt die Berufung zur Novizenmeisterin ins Mutterhaus. Oberin des St. Josefsheimes in Büchlberg wurde Arnolda Maidl, die bisher die größeren Kinder betreut hatte.
Unter dem 1. September 1939 stehen in der Chronik die Worte: "Wir haben Krieg". Wenige Wochen später übernahm eine Schwester den Orgeldienst in der Kirche und eine weitere Schwester kam zur Dienstleistung in ein Lazarett nach Regensburg. 1940 wurde das Josefsheim in Büchlberg zum KLV - Lager. Das Heim hatte norddeutschen Jungen aus Hamburg und ihre Führer als Kinderlandverschickung zu beherbergen. Aus Platzmangel mussten jetzt drei Schwestern mit 35 Kindern in das Waisenhaus nach Hals übersiedeln.
In den Kriegsjahren wurde täglich vor dem Josefsheim die Hakenkreuzfahne gehisst; die Jungen erhielten Unterricht, betrieben Sport und unternahmen Ausflüge. Die Erzieher bereiteten den Schwestern keine Schwierigkeiten, allerdings wurde das Heim von der Partei häufig kontrolliert.
Unter Weihnacht 1942 heißt es in der Chronik: "Die Lebensmittel werden immer knapper. Der grausame Krieg geht weiter. Immer mehr Todesnachrichten kommen von den Fronten. Es möge doch bald Friede werden!" Doch der unselige Krieg ging weiter. In die Zeit der Entbehrung fiel am 16. Oktober 1944 die Hundertjahrfeier der Kongregation.
Im Jahre 1844 war in Menzingen, im Kanton Zug in der Schweiz, die "Gemeinschaft der Lehrschwestern vom Hl. Kreuz" gegründet worden. Gründerin war Mutter Bernarda Heimgartner und Vater der Idee war der Kapuzinerpater Theodosius Florentini. Eine Schwesterngemeinschaft war gegründet worden, die sich in den Dienst der Missionshilfe stellte und die zugleich in tiefster Hingabe an die hl. Eucharistie die Ewige Anbetung pflegte. Tiefste Mystik und aktivstes praktisches Leben sollten sich innig verbinden. 1896 wurde in Altötting das deutsche Provinz-Mutterhaus errichtet.
Im April 1945 rollten am Kinderheim Panzer vorbei. Die SS bezog Stellung in Großthannensteig. Freyung, Röhrnbach und Waldkirchen wurden beschossen. Auch in Denkhof schlugen Granaten ein. "Wird auch unser Ort in Flammen aufgehen?" war die bange Frage der Ordensfrauen. Doch Büchlberg ergab sich, kein Schuss richtete im Dorf Schaden an.
Erleichtert atmeten die Menschen auf, und viele Beter strömten in die Kirche. Im Mai 1945 wurde das KLV-Lager im Josefsheim aufgelöst, und die Caritas brachte Flüchtlingskinder in das Heim. Große Not konnte so gelindert werden. Ein Kindergarten war bis Kriegsende in Büchlberg von NSV-Schwestern geführt worden. Nun wurde er von den Schwestern vom Hl. Kreuz übernommen.
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Das Kinderheim nach dem zweiten Weltkrieg
 
 
Haus St. Josef im Jahre 2004

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus wieder als Kinderheim freigegeben. Nun tat sich ein weites Arbeitsfeld auf. Flüchtlingskinder aus den verschiedenen Ländern wurden aufgenommen und fanden Betreuung. Im Oktober 1946 wurde Arnolda Maidl als Oberin in das Kinderheim Rickenbach in Baden berufen. In Büchlberg trat Oberin Laurentia Böswald die Nachfolge an. Sie hatte jahrelang in Lettland gewirkt.

Schon 1948 begann Oberin Laurentia Böswald mit dem so notwendigen Erweiterungsbau. Der steinige Untergrund verzögerte den raschen Baufortschritt. Mitten hinein kam noch die Währungsreform. Es fielen jetzt zwar die Bezugsscheine für das Baumaterial weg, aber der Geldmangel bereitete ihr große Sorgen. Trotz allem konnte Pfarrer Josef Raster am 1. Dezember 1948 dem Neubau den kirchlichen Segen erteilen.
Ein weiterer Neubau wurde 1950 nötig, als Kinder von der Oberpostdirektion Regensburg zur Erholung nach Büchlberg geschickt wurden. Der Bau sollte im Erdgeschoß eine moderne Waschküche und Backstube erhalten und im Obergeschoß die Räume für die Kinder der Ferienerholung aufnehmen; die Säuglingsstation wurde durch die Glasveranda erweitert. Am 31. Januar 1952 stürzte der Balkon des Rückgebäudes mit 23 Mädchen der Nähschule ein. Dabei erlitt keine der Schülerinnen eine Verletzung.
Aus Dankbarkeit ließ Oberin Laurentia Böswald im Klosterwäldchen eine Muttergottes-Kapelle bauen, die im Jahre 1953 Prälat Baumgärtler einweihte. In der Kapelle wurde eine Nachbildung der Marien-Statue aus der Gnadenkapelle in Altötting aufgestellt. Zur Seite stehen die Figuren des heiligen Josef und des hl. Judas Thaddäus. Alljährlich finden Lichterprozessionen zur Kapelle beim Kinderheim statt.
Generaloberin Dominika Klaiber aus dem Mutterhaus in Menzingen regte bei ihrem Besuch im Sommer 1953 die Vergrößerung der Hauskapelle im Kinderheim an. Nach unermüdlichem Schaffen nahm im Herbst des gleichen Jahres Oberin Laurentia Böswald von Büchlberg Abschied. An ihre Stelle trat jetzt Oberin Johanna Maria Lämmle, die in Büchlberg bereits acht Jahre als Krankenschwester gewirkt hat.
Unter ihrer Leitung entwarf Architekt Hanfstingl den Plan für den Kapellenanbau. Die Bauleitung hatte Baumeister Bender jun. aus Altötting. Schon am 14. November 1955 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Einweihung nahm Bischof Simon Konrad Landersdorfer am 8. Mai 1956 vor und konsekrierte den Altar, den die Firma Kerber gestiftet hatte. Die Kapelle erhielt eine Statue "Maria Königin" und 1957 einen von H. Winkler in Tonarbeit gestalteten Kreuzweg.
Nach der Amtszeit von Johanna Maria Lämmle kam am 19. August 1959 Rosaria Salzberger als Oberin nach Büchlberg. In ihrer Zeit wurde für die Landwirtschaft modernes Gerät angeschafft und ein neues Wirtschaftsgebäude (30,5 x 10,5 m) errichtet. Die kirchliche Weihe erteilte Jugendpfarrer Ludwig Plettl. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse wie Milch, Gemüse und Brot reichen für den Eigenbedarf. Für die Arbeiten im Haus sind neben den 21 Schwestern noch 18 Mädchen angestellt. Betreut werden im Heim rund hundert Kinder. Für sie stehen Spielplätze und Geräte zur Verfugung.
1965 wurde Rosaria Salzberger in den Generalrat des Kreuzschwestern ins Mutterhaus Menzingen in der Schweiz gewählt. Zur Oberin des Kinderheimes St. Josef wurde jetzt Rita Abtmeier berufen. Sie war schon von 1948 bis 1955 als Leiterin des Kindergartens in Büchlberg tätig. Nun wurde zur Auflockerung der Kindergruppen ein Erweiterungsbau errichtet, dem Bischof-Koadjutor Dr. Antonius Hofmann im Oktober 1966 die kirchliche Weihe erteilte.
Bei einer Feuerwehrübung am Altbau des Büchlberger Kinderheimes wurden größere Mängel bei der Sicherheit festgestellt. Die Brandschutzauflagen für das Kinderheim führten schließlich zur großzügigen Planung für den Neubau. Oberin Rita Abtmeier fand mit viel Gottvertrauen den Mut zum Bau. Es entstanden Wohn-, Schlaf- und Essräume, eine Gymnastikhalle, ein Lehrschwimmbecken und ein Kinderschwimmbecken.
Am 18. Juli 1975 konnte das Kinderheim St. Josef in Büchlberg sein 50jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst in der Hauskapelle mit Dr. Antonius Hofmann, dem Bischof von Passau, und zahlreichen Ehrengästen feiern. In zahlreichen Strophen wurde dabei die Geschichte des Hauses besungen.
Nach dreijähriger Bauzeit mit einem Kostenaufwand von 4,5 Millionen DM, konnte am 22. Juli 1976, der Erweiterungsbau des Kinderheimes St. Josef seiner Bestimmung übergeben werden.
Bischof Dr. Antonius Hofmann erteilte dem Neubau die Weihe; die Festansprache hielt Staatssekretär Dr. Wilhelm Vorndran vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung. Er dankte den Schwestern für ihre unermüdliche Arbeit zum Wohle der Jugend. Die Heimkinder führten Tänze auf und sangen Lieder. Die Schwestern hatten mit viel Hingabe die Gestaltung der Einweihungsfeierlichkeiten vorbereitet.
Am 1. Oktober 1987 gab Oberin Rita Abtmeier aus gesundheitlichen Gründen die Heimleitung ab. Sie war aber weiterhin in Büchlberg mit Verwaltungsaufgaben betraut. Für die erfolgreiche Arbeit an der Jugend und beim Bau des Heimes wurde Sr. Rita 1988 mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Sie konnte 1999 im Mutterhaus in Altötting mit den Schwestern vom Heiligen Kreuz ihre 60jährige Ordensprofeß feiern.
1987 wurde Christine Stehböck Oberin. Sie ist seit 1962 in der Erziehung der Kinder in Büchlberg tätig. Das Kinderheim St. Josef wurde 1993 umgebaut und modernisiert. Die Renovierungsarbeiten wurden notwendig wegen der undichten, 20 Jahre alten Flachdächer und der unwirtschaftlichen Heizungsanlage. Auch hilft die 32 qm große Sonnenkollektoren-Fläche enorm beim Sparen der Heizenergie.
1997 wurde Agnes Purker zehnte Oberin im Haus St. Josef in Büchlberg. Die Träger und Mitarbeiter des Hauses St. Josef sehen ihr Ziel in der Vorbereitung der Kinder und der Jugendlichen auf ein selbständiges Leben im persönlichen und im beruflichem Bereich.
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